Praktikum im Ausland

Praktikum statt Theorie

Dem Studium an der Universität wird im Allgemeinen ein fehlender Praxisbezug nachgesagt: der Studienplan gäbe dafür keine Möglichkeit, zu teuer, was sollte man schon machen und überhaupt sei das alles viel zu kompliziert.

Um diese Vorurteile abzubauen, lesen Sie sich durch unsere Informationen und Sie werden schnell vom Gegenteil überzeugt.

Zwei Studenten und eine Tasse KaffeePraktikum im Seminar von  Chalki      

Ein Student der Evangelischen Religionslehre hält sich für sein Praktikum gerade im Seminar von Chalki auf, dass auf einer der Prinzeninseln im Marmarameer liegt. Bis zu dessen Schließung war es die wichtigste christliche Theologische Hochschule des Ökumenischen Patriarchats von Konstantinopel. Verfolgen Sie mit, wie es dem Student während seines Aufenthaltes ergeht.

Ankunft

Vor fünf Tagen bin ich am Istanbuler Atatürk-Flughafen gelandet; mein Flug hatte über fünf Stunden Verspätung gehabt und die letzte Fähre zur Insel Heybeliada (im Griechischen Chalki genannt) hatte längst abgelegt. Ich musste mir also über die Nacht in einer gigantischen, fremden Stadt ein Hotel suchen. Glücklicherweise hatte ich schon auf dem Flug (oder besser beim Warten auf diesen) ein paar Kontakte geknüpft, die mir aus dieser misslichen Lage weiterhelfen konnten; von einer deutschen Mutter mit türkischen Wurzeln, die mit ihren Kindern auf dem Weg nach Izmir zu ihren Eltern war, über zwei junge, deutsche Männer die auf der Durchreise nach Tansania waren, um dort den Kilimanjaro zu besteigen, bis hin zu einem Italiener aus Trient, der aus geschäftlichen Gründen in der Stadt war und von einem Geschäftspartner Tiroler-Deutsch gelernt hatte. So rettete ich mich über die Nacht und konnte mich am nächsten Morgen ohne Probleme auf die Weiterreise zum Seminar von Chalki machen.

Als ich an meinem Ziel ankam (zuvor hatte ich mich noch mit Gepäck für zwei Monate den Berg auf dem das Seminar errichtet ist hochgekämpft) wurde ich sofort von einem Novizen freundlichst in Empfang genommen und zu meinem Zimmer gebracht. Ein Blick aus dem Fenster machte alle Probleme bei der Anreise vergessen; mir bot sich ein atemberaubender Blick über die sagenhaft schönen Gärten des Seminars, zu meiner Rechten erhoben sich die Ausläufer der Insel Heybeliada und einer Nachbarinsel, während der gesamte Horizont von der Silhouette der Stadt Istanbul eingenommen wurde. Nach einem kurzen Rundgang durch das Seminargebäude und die Gärten wurde ich in die Kirche des Seminars von Chalki gebracht in der ich an der täglichen Nachmittagsandacht teilnahm. Dort lernte ich dann auch die anderen Bewohner der Einrichtung kennen, die ansässigen Mönche und einige andere ERASMUS-Studierende aus Griechenland, die mich durchgehend positiv begrüßten und aufnahmen.

Seit dem habe ich mich gut in den Alltag hier eingelebt; meine Arbeit in der Bibliothek des Seminars macht mir sehr viel Spaß (derzeitig digitalisieren wir einige Teile der Buchbestände), die Kommunikation funktioniert gut (grundsätzlich unterhalten wir uns auf Englisch, aber manchmal mischen sich auch ein paar deutsche und griechische Wörter dazwischen), das Essen schmeckt trotz Fastenzeit großartig und gelegentlich gehe ich mit einigen der anderen ERASMUS-Studierenden in den kleinen Ort auf der Insel, unterhalb des Seminars. In den letzten Tagen herrscht große Aufregung hier in der Einrichtung, da sich über das Wochenende seine Allheiligkeit der ökumenische Patriarch von Konstantinopel Bartholomäos I. zu einem Besuch angekündigt hat. Ich denke, dass ich das nächste mal, wenn ich mich melde mehr von diesem Besuch berichten werde.

 

Nach einem Monat

Seit einem Monat bin ich nun in Istanbul und es geht mir großartig. Als ich ankam war ich von dieser gewaltigen Stadt und dieser fremden Kultur etwas eingeschüchtert, aber mittlerweile bin ich geradezu verliebt. Mir gefällt die offene und warmherzige Art der Menschen (Griechen wie Türken) sehr gut - wenn da nicht die Sprachbarriere wäre. Aber man findet irgendwie immer einen Weg zu kommunizieren.

Die Kulturgüter sind großartig; ob es um so einfache Dinge wie den landestypischen Schwarztee Çai und türkischen Honig (hier Lokum genannt), oder um die zahlreichen Baudenkmäler geht. Aus byzantinischer Zeit habe ich mir bisher natürlich die Hagia Sophia, die Chora und die Theodosianische Landmauer angesehen. Aber auch die osmanischen Bauten sind wirklich großartig, wie die Blaue Moschee und insbesondere der Dolmabahçe-Palast, der von den Sultanen als Residenz errichtet wurde und in dem auch der Staatsgründer der türkischen Republik, Mustafa Kemal Atatürk verstarb.

Die Arbeit in der Bibliothek hat mittlerweile einen festen Rhythmus angenommen, was aber nicht weiter schlimm ist, da sie mir trotzdem nach wie vor Spaß macht. Daneben gibt es im Kloster auch so immer was zu tun, zum Beispiel bei unterschiedlichen Konzerten die in den Gärten des Klosters stattfinden, oder, wie aktuell, bei Konferenzen die in den Räumen des Seminars von Chalki stadtfinden.

Als unglaublich wertvoll erweist sich das Praktikum jetzt schon. Durch die Kontakte, die man hier knüpfen kann, habe ich in gerade einmal einem Monat so viele interessante Menschen kennengelernt: von anderen ERASMUS-Studierenden, über Einheimische, die Klostergemeinschaft, Gäste hier im Kloster, darunter auch zahlreiche Professoren aus aller Welt, bis hin zu den höchsten Würdenträgern der griechisch-orthodoxen Kirche. Und wer kann schon von sich behaupten mal mit seiner Allheiligkeit, dem ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel Bartholomäos I. auf Deutsch geplaudert zu haben?

Ich freue mich schon jetzt auf die zweite Hälfte meines Praktikums und die Erlebnisse die damit noch auf mich zukommen.

 

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ab Mitte August Praktikum im Europäischen Parlament offen für alle Fachrichtungen
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30.09.2017 Parlamentspraktikum in der Ukraine deutsche Staatsbürgerschaft, Grundkenntnisse Ukrainisch
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